Radikalismus – die Pest des 21. Jahrhunderts. Von Gabi Gawrieh التطرف أو طاعون القرن الحادي والعشرين

Radikalismus – die Pest des 21. Jahrhunderts. Von Gabi Gawrieh التطرف أو طاعون القرن الحادي والعشرين

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Es ist eines der brennendsten, aktuellsten Themen, das die
internationale Gemeinschaft quält: Die Radikalisierung von Menschen. Und weil man die sehr oft Menschen aus dem arabischen Sprachraum zuschreibt, versucht der Mediziner und Journalist Gabi Gawrieh aus Aleppo Antworten zu finden...Und er tut dies in arabischer Sprache, um vor allem junge Menschen aus diesem Sprachraum zu erreichen.
Hier der Kommentar nochmals zum nachlesen:

Radikalismus - die Pest des 21. Jahrhunderts

Es ist eines der brennendsten, aktuellsten Themen, das die
internationale Gemeinschaft quält: Die Radikalisierung von Menschen. Und weil man die sehr oft Menschen aus dem arabischen Sprachraum zuschreibt, versuche ich Antworten zu finden, und mir ist dabei bewusst, dass ich das Problem nicht lösen kann, leider.

Radikalisierung ist sprachlich die unlogische Neigung zu einer einzigen, bestimmten Seite. Dadurch sind Diskussionen nicht mehr möglich. Ein Radikaler muss nicht zwangsläufig auch zu einer radikalen Organisationen gehören, sondern es ist jeder Mensch, der radikale Gedanken in seinem Kopf trägt .
Aber niemand kommt als Rassist oder Radikaler auf diese Welt.
Niemand wird mit Gier, Vorurteilen, Fanatismus, Intoleranz und Hass geboren.
Erst Erziehung, Kultur oder der Glaube sind Ursachen, die dies in uns wachsen lassen, bis sie uns schließlich vollkommen beherrschen.
Der Radikale lehnt alle anderen Meinungen ab, hält keine Kritik aus und übt auch keine Selbstkritik. Deswegen dürfen andere Menschen ihm nicht widersprechen, weil ihm seine Überzeugung heilig ist. So entstehen Angriffe, wie wir sie überall erleben:
Sexuelle Belästigungen, Messerattacken, Terroranschläge.
Ideologien wie Nationalsozialismus oder Rassismus bezeichne ich als Radikalismus, wobei der Begriff im deutschen Sprachgebrauch durch das Wort Extremismus ersetzt wurde .
Der religiöse Extremismus in unserer aktuellen Zeit ist dabei für mich der Gefährlichste, und die Frage, die heute oft gestellt wird, ist: Warum radikalisieren sich vor allem muslimische junge Menschen, die nach Westeuropa gekommen sind oder sogar hier geboren wurden. Sie leben in einer Gesellschaft, in der ihnen Demokratie, Freiheit und ein gewisser Wohlstand ermöglicht wird.
Ursachen der Radikalisierung können vor allem in den ärmeren Ländern politische Gründe haben: Diktatur, Korruption, wirtschaftliche Not durch Arbeitslosigkeit, die unfaire Verteilung des Vermögens, soziale Probleme, familiäre Krisen. Der Verlust eines geliebten Menschen aufgrund von Konflikten, oft auch vom Westen ausgelöst oder verschärft. Wer im Bombenhagel von Bagdad durch westliche Militärs seine Familie verliert, verliert oft auch seine Menschlichkeit, und die Religion hilft ihm noch dabei: Im Alten Testament steht immer noch Auge um Auge, aber Gott sei Dank berufen sich nicht mehr viele Menschen darauf. Jedoch die Werte des Korans sind für so viele Menschen mit den Werten des modernen Europas niemals vereinbar.
Deswegen hat der Radikale das Gefühl, dass er diese westlichen Werte mit allen Mitteln ändern muss. Dazu kommt die Verschwörungstheorie: Der Westen war und ist immer gegen den Osten.
In der Zeit der Pubertät hat jeder Jugendliche einen Traum, entstanden und geprägt aus seinem Umfeld. Und er will ihn realisieren, unabhängig von seiner Religion, seiner Nation oder seiner Hautfarbe. Dieser Traum kann aus ihrer Sicht nur wahr werden, wenn die Person für ihn auch kämpft. Der gehegte Traum, der Vielzahl der muslimischen Jungen, die in den religiösen Gesellschaften leben oder aufgewachsen sind, ist die Errichtung eines Kalifats. Und das Kalifat soll eines Tages den Westen dominieren. Diese Gedanken können sich manifestieren aus den Konflikten im alten Heimatland, durch die negative Rolle der Medien, Fake News, durch Volksverhetzung. Auf diese Weise kann in dem zum Radikalen anfälligen Jugendlichen ein geistiges Bild entstehen, das der Realität nicht entspricht. Dieses Bild basiert sehr oft auf dem Wahhabismus, der zum Beispiel von Saudi Arabien staatlich gefördert wird und keine reformierte Auslegung des Korans duldet. Aber wo keine Weiterentwicklung stattfindet, wächst oft ein Gefühl der Minderwertigkeit. Das heißt, der Radikale fühlt sich rückständig, gemessen am Fortschritt der Anderen, des Westens, dem er nicht folgen kann oder darf. Deswegen will er eine eigene Staatsform, die sich aber nur mehr auf den Grundlagen von Gewalt errichten lässt.
Hassprediger, die negative Rolle der Medien, die Intervention der Religion in der Politik, der Rassismus im Westen. Die Wurzeln zur Radikalisierung befinden sich überall.
Doch jeder kann zumindest hier in Deutschland etwas dagegen tun:
Integration unterstützen, Toleranz zeigen und ausüben,
Vorurteile abbauen, am Arbeits- und gesellschaftlichen Leben teilnehmen oder teilhaben lassen.
Die Religion soll ein Friedensmittel sein, und Gott wird am Ende über die Menschen richten, nicht die Menschen.

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