Die Vereinigten Staaten von Europa – Kommentar von Martin Pfeil

Die Vereinigten Staaten von Europa – Kommentar von Martin Pfeil


Die Vereinigten Staaten von Europa - Ein Kommentar von Martin Pfeil.
Als Produzent von Channel Welcome will er eher im Hintergrund wirken, aber die Sorge um einen Lebenstraum, und die Angst vor Menschen, die teils dumm, teils leicht verführbar, teils aus reinem Machtkalkül handeln, und dabei alle zusammen sehr gefährlich sind, ließen hin zum Entschluss kommen, diesmal den Kommentar der Sendung selber zu übernehmen.

 

 

Die Vereinigten Staaten von Europa
 
Er hieß Karl Gellner, aber wir nannten ihn nur Charlie und er war in den ersten Jahren im Gymnasium mein Klassenlehrer. Vertrieben nach dem 2. Weltkrieg aus Siebenbürgen, wovon ich allerdings als 11 oder 12- jähriger nichts verstand.
Ich gehörte zu den Aufmüpfigen in der Klasse, worauf ich nicht stolz bin, und wir hatten vor kaum einem Lehrer Respekt. Vor Charlie Gellner schon.
Der ließ am Ende des Schultages die Klasse aufstehen und stellte die Frage: Wofür setzen wir uns ein?
Und wir antworteten im Chor: „Für ein vereinigtes Europa“.
Das fühlte sich immer ziemlich gut an.
Als Kind lernte ich viele Grenzen kennen. Die in Österreich, über die meine Eltern den Strohrum schmuggelten. Als Jugendlicher im VW-Bus an die Algarve mussten wir jedes Mal 4 Grenzen mit nervigem Warten und Kontrollen passieren, ebenso viele Währungen in der Tasche haben. Ganz zu schweigen von der Transitstrecke nach West-Berlin.
In seinem Wahlkampf hatte ein bayrischer Minister noch die Apokalypse herbei beschworen: Wenn die Idee von Schengen sich in Europa durchsetze dann stünden die Türken nicht nur wie einst vor Wien, sondern alle vor München. Und der Saal mit seinen Anhängern grölte.
Doch ein neuer, freier Geist war schon in den Köpfen zu vieler, und bald bezahlten wir in Italien in Frankreich in Spanien und Griechenland mit einer Währung, und die verwaisten Grenzstationen erinnerten nur noch an eine verstaubte Zeit mit zu vielen nationalistisch, korrupten Politikern. Ja, es war schon ein bisschen Paradies, das freie Europa. Und es sollte doch nur der Anfang sein.
Gegner dieser real gewordenen Utopie gab es immer: Die, die sich über andere Nationen stellen, sich für etwas Besseres, Beschützenswerteres halten, und dabei doch nur an ihre Macht und ihren Profit denken.
Verführer mit brauner Gesinnung, in Deutschland, Polen in Ungarn in Österreich oder der Slowakei verbrüdern sich zu einer Allianz der Geistlosen, ewig gestrigen.
Und die Verführten applaudieren mit Bierflaschen am Straßenrand, schwenken peinliche Tafeln und Fahnen, klatschen in die Hände wenn Häuser brennen und grölen dabei: Wir sind das Volk. Igitt.NEIN
Und nicht über und nicht unter andern Völkern wolln wir sein. Schrieb Bert Brecht, in dessen Geburtsstadt ich lebe.
Doch Menschen errichten Stacheldrahtzäune, erst um Länder und dann?
Die Kriege, an denen sie alle beteiligt sind, die erst zur Flucht führen, lassen sie kalt. Und der deutsche Bundestag genehmigt Waffenlieferungen in Krisenherde wie nie zuvor.
Wir, die empathisch Denkenden schauen ohnmächtig zu,
können doch eh nichts tun.
Halt! Jeder kann etwas tun, auch wenn es nicht viel ist. Es müssen eben nur viele tun:
Auf die Straße gehen, Politiker die gegen die gemeinsame, europäische Idee poltern, ignorieren, abwählen.
In Länder, die diesen unsäglichen Geist verbreiten möglichst nicht reisen, von dort keine Waren beziehen.
Und niemand im westlichen Europa müsste in Fabriken arbeiten, die Panzer und Gewehre herstellen.
Dafür lohnt es sich vielleicht sogar auf etwas Geld und materiellen Luxus zu verzichten. Den kann man später eh nicht mitnehmen. Den Geist vielleicht schon.

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