Denn sie wissen nicht was sie tun – Der Tag der Spalter. Kommentar von Tina Tanšek

Denn sie wissen nicht was sie tun – Der Tag der Spalter. Kommentar von Tina Tanšek


Die Autorin und Moderatorin Tina Tanšek, mit slowenischen Wurzeln, spricht zum ersten Mal für Channel Welcome einen Kommentar. Ihr Thema: Wie nur wenige machtbesessene, egomanische Politiker eine ganze Nation spalten können.

 

 

Brexit - Der Tag der Spalter. Denn sie wissen nicht was sie tun.
 
"Möge der 23. Juni 2016 als unser Unabhängigkeitstag in die Geschichte eingehen. "Dieser Sieg soll das gescheiterte Projekt EU zum Fall bringen. Die EU stirbt. Wir haben gewonnen, ohne eine einzige Kugel abgefeuert zu haben."
Solche Parolen gab Nigel Farage, der Chef der nationalistischen Ukip-Partei von sich, nach einem Referendum, dass zum Peinlichsten gehört, das britische Politiker nach einem verheerenden Einsatz in Irak initiiert haben.
350. Mill. sollten künftig in das britische Gesundheitswesen fließen, statt nach Brüssel. Diesen Mann musste man wählen.
Leider waren seine Versprechungen alles Lügen: Diese Aussage war ein Fehler hat er inzwischen auch eingeräumt. Kann er auch, denn das Volk hat ja entschieden, wie er es wollte. Alles andere ist Peanuts.
Und danach traten er und seine Brandstifter ab. Löschen können die anderen.
Richtig drin in der europäischen Gemeinschaft waren sie eh nie. Sie haben Forderungen gestellt, genommen, aber geben, nein, das sollen die anderen. Und die Einwanderer sind sowieso an allem Schuld und müssen raus.
Und eine deutsche rechtspopulistische Politikerin weint vor Freude.
Aber was heißt das nun für Europa:
Überall sind Rechtspopulisten auf dem Vormarsch, und zu deren Gedankengut gehört eben auch, dass man nur an Seinesgleichen denkt, und die anderen nur braucht, wenn es einem selber nicht gut geht.
Schade, dass die Menschen, die gegen eine europäische Gemeinschaft gestimmt haben und stimmen werden, in erster Linie von egoistischen Politikern aufgeheizt werden, die, wie im Falle Cameron, pokern, schachern, lügen, um ihre Macht zu stärken. Man kann den Menschen nicht vorwerfen, dass sie falsch wählen. Gegen Manager, die Millionen verdienen, gegen egoistische Lobbyverbände kommen sie nicht an, dann machen sie eben ihr Kreuz bei billigen Heilsversprechern.
Traurig, dass es meist die Schwächeren, die vermeintlichen Verlierer sind, die auf diese Politiker herein fallen und sie stark machen, und dabei letztendlich noch mehr verlieren. Im kleinen Leben liegt eben der große Schmerz.
Die Reichen da oben tangiert es nicht, und notfalls kann man sich mit den Seinesgleichen auf die Insel, die Yacht, in den Golf-oder Debattierclub zurückziehen, und auf das doch trotzdem so herrliche Leben anstoßen.
Auch in Deutschland wissen Politiker, dass sie ihre Versprechen nicht einlösen können. Egal. Sie wollen nur eines: Unsere Stimmen.
Ich sehe das Bild des Politikers vor mir, der den ARD-Reporter nur milde auslächelt, auf dessen skeptische Frage, ob er denn tatsächlich noch an eine Maut für ausländische Autofahrer glaube. Aber selbstverständlich. Sie werden sehen. Zum 1.1. 2015 wird die Maut kommen.
Dass dies mit europäischem Recht gar nicht vereinbar ist, weiß er natürlich, aber es macht sich eben soo gut und es bringt Wählerstimmen, wenn nur die Ausländer bezahlen müssen.
Und notfalls klagt man halt wieder vor dem europäischen Gerichtshof. So vergeht Zeit, und den Wähler, tzz, denen erklären wir inzwischen, dass die Flüchtlinge schuld sind, und wir versprechen rechtzeitig was Neues:
Flüchtlinge raus, Grenzen zu, Grundgesetz erst brechen dann ändern... und so weiter.
Die Briten haben Recht. Das undemokratische Europa stinkt. Aber wenn einem das Essen nicht geschmeckt hat, sollte man nicht das Restaurant anzünden und dann draußen Selbstmord begehen. Ja, das Referendum vom 23. Juni war ein vorbildloser Akt der Selbstvernichtung.
Das schreibt Jakob Augstein im Spiegel.
Vielleicht lernen wir daraus, dass wir uns alle brauchen.

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